Stephan Scheuss: Sänger - Gitarrist – Songwriter

STEPHAN SCHEUSS

Fedrig leicht, im Klangraum schwebend, die Melodien ver-bebopt, versoult, ver-r&b-t, beinah provokativ frei im Umgang mit dem Original – und doch noch immer ganz nah dran an der Seele des Songs. Egal, ob er den Isley-Brothers-Klassiker „Harvest For the World“ zergliedert und im Refrain wieder vereint, egal, ob er den Gamble-Huff-Song “Drowning In The Sea Of Love“ vorsichtig afrikanisiert, egal, ob er „What’s Going On“, das Herzstück des Marvin-Gaye-Repertoires, leise dramatisiert oder „Maniac“, den Michael-Sembello-Hit aus „Flashdance“, in die Welt des Jazz zurückholt – was immer der Singer, Songwriter und Gitarrist auf seinem aktuellen Soloalbum ONE PURE SOUL mit seinen Lieblingsstücken macht, es ist einfach großartig. Chapeau, Stephan Scheuss!

Die Lebensgeschichte des Leverkuseners beginnt am 13. April 1963. Er wird als Jüngstes von zwei Kindern in eine Musik begeisterte Familie geboren. Im Kirchenchor singt er – sehr zum amüsierten Unbehagen des Pfarrers - Fantasie-Texte zu heiligen Liedern. Er spielt Luftgitarre zu „Poor Boy“ von den Lords. Er hört die angesagten Rock- und Poptitel, die sein Bruder anschleppt. Mit 15 schenkt ihm ein betuchter Freund die erste Gitarre, eine Ibanez. Eine beinah klassische Musik-Sozialisation. Scheuss gründet mit Schul-Freunden die an Defunkt orientierte Band BigAmie, macht sein Abitur, absolviert den Zivildienst und erwähnt in einer frühen Biografie alle seine Gitarren-Lehrer. Er nennt es die „Schwamm-Phase“ und meint damit, dass er – saufleißig an der Gitarre, sau-ehrgeizig, was Musik angeht – alles aufsaugt, was ihm vor die Ohren kommt. Er besucht Mitte der Achtziger als Gasthörer die Kölner Musikhochschule. Studiert Jazz-Gitarre bei Alex Sputh.  Sein erster claim to fame kommt mit Trio Rio, die mit „New York, Rio, Tokio“ einen Top-Ten-Hit verbuchen und der Scheuss von 1988 bis 1991 angehört. Danach fünf Jahre Purple Schulz. Nach dem Ausstieg 1995 gründet er mit anderen die Acapella-Formation Vocaleros und die Band The Brilliant Mistake. Für unsere Belange wird es 2001 wieder interessant. Scheuss, wie viele der Großen, der Idee des lebenslangen Lernens verpflichtet, nimmt in New York Unterricht bei zweien seiner Lieblingsgitarristen, Wayne Krantz und John Abercrombie. Neben der Arbeit mit seiner Band Phier, die eine zeitgenössische Mischung aus NuJazz und Soul mit deutschen Texten vorträgt, entwickelt sich langsam das Solo-Programm ONE PURE SOUL.

„Alles hat damit angefangen, dass ich – ohne an eine CD oder ein Programm zu denken – einige meiner Lieblings-Soul- und Jazz-Titel aufgenommen und arrangiert habe. Oft habe ich die Songs dabei dermaßen umgekrempelt, dass sie überraschend neue Qualitäten offenbarten: „Maniac“ zum Beispiel klingt jetzt wie ein Jazz-Standard. „What’s Goin’ On“ ist still-dramatische Kammermusik geworden...“

Scheuss, der bereits 2003 mit diesem Programm den 2. Preis beim internationalen Wettbewerb „Open Strings“ in Osnabrück gewinnen konnte, ist in allen Belangen ein Meister. Sein Gesang souverän und absolut intonationssicher, glockenhell in den hohen Falsett-Lagen, voller Saft und Kraft in den Mitten. Sein Gitarrenspiel traumwandlerisch sicher und versiert: Er umspielt seinen vokalen Vortrag, rhythmisiert wo nötig, treibt an, wirft kurze Single-Note-Soli ein – es macht einfach nur Spaß ihm bei dem zuzuhören, was wirklich den Namen Solo-Album zu 100 Prozent verdient.

„Was man hört, ist wirklich nur meine Akustikgitarre, meine Stimme – und ein paar kleine Overdubs.“ Aber die stören die Intimität des Vortrags in keiner Weise. Man hat beim Hören den Eindruck, Stephan sitze direkt vor einem und singe nur für einen selbst.  Und noch etwas: Zu keiner Zeit buhlt Scheuss um die Aufmerksamkeit oder gar Gunst seiner Hörer. Er ist sich selbst genug und taugt gerade deswegen für ein großes Publikum. ONE PURE SOUL verdient es, in einem Atemzug mit ähnlichen CD-Projekten von Michael McDonald oder Paul Carrack genannt zu werden. Doch im Gegensatz zu deren Werktreue verwandelt Scheuss die Originale und passt sie in seine musikalische Welt ein. Und die ist - nach all den Jahren, all den Erfahrungen, all der Musik – reich an Farben, Formen und Stimmungen. Scheuss, der unlängst den Afri-Cola-Werbespot „Everytime“ zu einem Radiohit machte und auch als männliche Stimme auf dem Soundtrack des Kinofilms „Ein fliehendes Pferd“ zu hören ist, hat unser aller Aufmerksamkeit verdient. Denn so puderig leicht, ohne je oberflächlich zu sein, so perfekt, ohne je steril zu klingen, so souverän, ohne je in Leerlauf zu geraten, das trifft man in der Musikwelt ganz selten. ONE PURE SOUL – ein Muss in jeder gepflegten CD-Sammlung.

NAHAUFNAHME

13. April. 1963 Leverkusen
1969-1973 Schule
1974-1982 Gymnasium
Erste Band BigAmie
1983-1984 Zivildienst
1985 Studium Jazz-Gitarre bei Alex Sputh
1986 – 1987 Gitarrist bei Trio Rio, Top-Ten-Hit „New York, Rio, Tokio“
1988 – 1991 Musikalischer Leiter der WDR Talkshow „3 vor Mittenacht“ mit Christina Lux
Bandmitglied von Multitalent Ron Williams
Jazz-Fusion-Trio FUGU
Liveband mit Anne Haigis „Still Lazy After All These Years“
1990 – 1995 Gitarrist Purple Schulz
vier Deutschland-Tourneen, vier CD-Produktionen,
Goldene Schallplatte für „Die Singles“-CD,
CD „N“ mit der Köln Big Band zusammen mit Chad Wackerman (dr, u.a. bei Frank Zappa und Allan Holdsworth), Bendik Hofseth (ts, Steps Ahead)
NNNN Mitbegründer der Vocaleros und eigene Band The Brilliant Mistake
1997 Debüt-CD „Vocaleros“, Solo-Debüt „Happy“
2000 Vocaleros trennen sich nach zwei CD-Veröffentlichungen,
Taiwan-Tour, Preisen („Musik, die verbindet“ von der Hans Seidel-Stiftung), TV-Auftritte u.a. bei „Geld oder Liebe“,
Zusammenarbeit mit Jon Lord und Sam Brown
2001 Unterricht bei Wayne Krantz und John Abercrombie in New York
Gründung von Phier
2002 Stimme des Afri-Cola-Commercials und Sommerheits „Everytime“ der Casting Band The Flames; Mitwirkung an den Soundtracks für „Der Wixxer“, „Ein fliehendes Pferd“ und „Kein Bund für’s Leben
2003 2. Preis mit dem „One Pure Soul“-Programm beim Open Strings-Gitarrenwettbewerb in Osnabrück, gefragter Gitarrenlehrer, gibt zahlreiche Workshops, Lehrauftrag  an der Hochschule für Musik in Köln im Fach Songwriting
2010 OnePureSoul CD-Release

Stephan Scheuss spielt(e) mit folgenden Künstler live und im Studio: Till Brönner, Sam Brown, Jan Delay, Anke Engelke, Peter Fessler, Franck Band, Fury In The Slaughterhouse, Anne Haigis, Mike Herting, Peter Kraus, Jon Lord, Charlie Mariano, Reinhard Mey, Max Mutzke, Jule Neigel, Wolfgang Niedecken, Sally Oldfield, Purple Schulz, Jennifer Rush, The Searchers, Trio Rio,  Bonnie Tyler, Thijs van Leer, Pe Werner u.v.a.m.